FLÜCHTIGE BILDER:
AFFEKT // REPRÄSENTATION

Eine trans- und interdisziplinäre Veranstaltung an der Universität Hamburg

Von flüchtenden Amazonen, flüchtigen Daten und verflüchtigten Stoffen. Foto-Objekte aus dem Fotoarchiv der Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin


Im Fotoarchiv der Antikensammlung der SMB-PK befindet sich ein Konvolut von ca. 600 montierten Abzügen, das im Zuge der Ausgrabungen von Magnesia am Mäander zusammengetragen wurden. Viele der Aufnahmen sind vor Ort entstanden, andere zeigen die Funde zu einem späteren Zeitpunkt im Museum. Dieser Bestand wird im Rahmen des BMBF finanzierten Forschungsprojekts „Foto-Objekte“ von mir bearbeitet. Es handelt sich dabei um ein interdisziplinäres Projekt der Kunstgeschichte, Archäologie und Ethnologie. Dabei verfolgen wir keine Teilprojekte, sondern widmen uns in einer kollaborativen Arbeitsweise gemeinsamen Fragestellungen. Die Aufnahmen des Magnesia-Konvoluts entstanden zwischen 1887 und ca. 1910. Dazu gehören Fotografien des fragmentierten Frieses des Artemistempels von Hermogenes, der eine Amazonomachie zeigt.

Diesen Fotografien der Friesfragmente sind in mehrfacher Hinsicht „flüchtige Bilder“. Dies betrifft zum einen ihre Darstellungsebene. So sind dem Motiv der Schlacht zwischen Kriegern und Amazonen – ein Topos, dessen Wirkmächtigkeit in verschiedenen „Griechen versus Barbaren“-Konstellationen zum Tragen kommt – Fluchtbewegungen im wahrsten Sinne eingemeißelt. Zum anderen verfügen die Fototafeln in ihrer Materialität als Foto-Objekt über weitere epistemologische Zugangsmöglichkeiten. Der Zustand einiger veranschaulicht durch beispielsweise abgeknickten Ecken die Verflüchtigung des Materials. Bei den Negativen wirkten teilweise die Chemikalien durch mangelhafte Fixierung nach, sodass sich hier nicht nur physische Verflüchtigungsprozesse beobachten lassen, sondern auch die Ausdrucksdimension des Bildes sich von der einer indexikalische Abhängigkeit hin zu einer eigenständigen Ästhetik wandelt. Als weitere Ebene weisen die Pappen vielfältige Inskriptionen, Stempel, Nummerierungen, Erradierungen und Durchstreichungen auf, die sich sowohl auf das Abgebildete, als auch auf die Fotografie oder das Negativ beziehen. Hierin zeigt sich die Kurz- bzw. Langlebigkeit flüchtiger Daten, die metaphorische Flucht von Informationen. Ein- und Überschreibungen im Material sind hier Manifestationen dynamischer Wissenspraktiken.

In der Vielschichtigkeit der Affekte bedingt sich wiederum die Wechselwirkung von historischen sowie zeitgenössischen Akteur/innen und Synchronizität. Dies alles in Form von Digitalisaten und somit wieder einer anderen Medialität zu präsentieren steht darüber hinaus in einem Spannungsfeld von Sehgewohnheiten und Sichtbarkeiten.

Diesen medialen Pluralismus, der vielfältige methodische Ansätze und disziplinenübergreifende Denkmuster erfordert, möchte ich gerne in meinem Beitrag in Hamburg in einem Vortrag (30 Minuten) diskutieren.


Petra Wodtke is an academic collaborator in the cooperation project Photo-Objects. Photographs as (Research-)Objects in Archaeology, Ethnology and Art History at the Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. She focuses on the photographs of archaeological sites in modern turkey, especially Magnesia at the Meander River and Pergamon. In addition she is part of the research management team of the Excellence Cluster Topoi. After studies of archaeology in Berlin, Wien and Lausanne, she had a scholarship at the International Graduate Centre for the Study of Culture in Gießen. She took part in several archaeological projects in, among others, Portugal, Greece and Albania. In 2014 she finished her PhD in Classical Archaeology about communication structures of, with and through archaeological objects in the Roman province of Epirus. Petra Wodtke published several article about Epirus, material culture theories and also the so called “Bologna-Reform” in ancient studies.

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