FLÜCHTIGE BILDER:
AFFEKT // REPRÄSENTATION

Eine trans- und interdisziplinäre Veranstaltung an der Universität Hamburg

Migration in eine andere Geschichte. Bilder von Flucht und Flüchtlingen in Geschichtsschulbüchern sogenannter Einwanderungsgesellschaften


Das Thema Migration setzt sich im Geschichtsunterricht, der in der Regel auf eine nationale Historiographie ausgerichtet ist, vor allem in Form von Einwanderung durch. Flucht stellt dabei eine besondere Art der Migration dar, die meistens in Verbindung mit Kriegen und gewaltsamen Konflikten behandelt wird, welche als historische Ereignisse wichtige Bestandteile des Unterrichts bilden. Obwohl sich international der Trend durchsetzt, Geschichte nicht nur als ein durch Eliten geprägtes Masternarrativ zu unterrichten, schaffen es viele Darstellungen nach wie vor in vielen Bereichen auf Menschen, als Akteure in der Geschichte, zu verzichten. Dies gilt nicht für die Behandlung von Flucht. Einer der Gründe dafür ist, dass das Thema visuell fast ausschließlich durch Fotografien von Flüchtlingen vermittelt wird, auf denen menschliche Emotionen dargestellt werden oder die dazu dienen sollen, die Betrachterinnen und Betrachter auf eine andere Weise affektiv anzusprechen.

In meinem Vortrag möchte ich die visuelle Darstellung des Themas Flucht in Schulbüchern aus den drei sogenannten Einwanderungsgesellschaften Australien, Deutschland und den USA diskutieren. Berücksichtigt werden dabei das Affektpotenzial der einzelnen Abbildungen, das teilweise sogar explizit in den Bildunterschriften behandelt wird, sowie die Bildsprache innerhalb der Schulbuchnarration. Aufgrund des multimodalen Charakters von Schulbüchern können visuelle Darstellungen nicht getrennt von anderen textlichen und paratextuellen Elementen untersucht werden. Daher wird zusätzlich zur Bildanalyse auch die Bild-Text-Kommunikation betrachtet, wobei die Fotografien verschiedene Rollen spielen, von einer Unterstützung der Texte, über eine Untermauerung von Stereotypen, gegen die sich der Text ausspricht, bis hin zu einer eigenen Bildsprache, die über die textuell vermittelten Informationen hinausgeht oder parallel zu ihr verläuft. Der Ländervergleich dient einerseits dazu, mögliche alternative Darstellungsformen im Umgang mit dem Thema aufzuzeigen. Andererseits wird dadurch das in Schulbüchern nicht unübliche Phänomen der Bildwanderungen sichtbar, das ebenfalls Inhalt der Diskussion sein wird. Ein australisches Schulbuch behandelt schließlich die Children-Overboard-Affaire, in der ein Foto von indonesischen Flüchtlingskindern im Wasser für mediale Aufmerksamkeit sorgte, während die Richtigstellung der Geschichte kaum in der Öffentlichkeit verbreitet wurde. Dieses Beispiel beinhaltet viele Elemente, die die Affektsprache von Fluchtbildern entfaltet.


Imke Rath studierte „Sprachen und Kulturen Austronesiens“ am Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg. Im Anschluss arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Emmy-Noether-Gruppe „Text, Bild, Performanz: Wandel und Ambivalenz in kolonialen Kontaktzonen“ am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Ihre Promotion befasst sich mit der Darstellung einer philippinischen Religion im 17. und 18. Jahrhundert und wird Anfang 2017 veröffentlicht.

Seit Februar 2015 ist Imke Rath am Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig beschäftigt. Sie ist im Rahmen der beiden Projekte „WorldViews“ und „EurViews“ an der Entwicklung einer multilingualen digitalen Quellenedition beteiligt, in der Schulbuchausschnitte aus vielen Ländern weltweit zu historischen Verflechtungen online zur Verfügung gestellt werden. Der Schwerpunkt ihrer Forschung liegt derzeit auf dem Thema Migration.

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