FLÜCHTIGE BILDER:
AFFEKT // REPRÄSENTATION

Eine trans- und interdisziplinäre Veranstaltung an der Universität Hamburg

Smartphone und Video. Medien der Migration und des Minoritären


Bilder der Flucht sind immer flüchtige Bilder, semiotisch unsicher und visuell prekär. Aufgenommen unter meist existentiellen Bedingungen, handelt es sich um Bilder, für die zu wenig Zeit bleibt und die gerade im Ruckeln und in Verpixelungen die präsentische Authentizität des Dabei-Seins suggerieren. Es handelt sich um „Live“- Bilder, bei denen es um das Leben geht. Mein Beitrag möchte versuchen den Zusammenhang zwischen Bildqualität und Bildpolitik stark zu machen und dabei zu schauen, welche Logiken der politischen und ästhetischen Repräsentation sich an flüchtigen Bildern ablesen lassen. Hito Steyerl hat in ähnlicher Weise von „poor images“ (Steyerl, 2012) gesprochen, Digitalbilder in schlechter Auflösung, die gegenüber der wirtschaftlichen Opimierungs- und Vermarktungslogik des High-Definition-Bilder ein gegenkulturelles Rauschen bilden. Ich möchte die politische Dimension von Bildqualitäten anhand von zwei Medien zeigen, die wesentlich die soziale Kontrolle über die (eigene) soziale Repräsentation verändert haben: das Video und das Smartphone. Dafür möchte ich mich auf zwei Filme beziehen, die die Video- und Smartphone-Ästhetik in politischer Weise wieder aufgreifen.

Mit seinem Film „Flotel Europa“ (Dänemark/Serbien, 2015) reflektiert der Filmemacher Vladimir Tomic seine eigene Fluchtgeschichte, in der ein schwimmendes Flüchtlingsheim im Hafen von Kopenhagen - von seinen Bewohnern scherzhaft „Flotel Europa“ genannt - zum temporären Zuhause auf instabilem Untergrund wird. Eine dänische Hilfsorganisation hatte den Bewohnern Videokameras und Kassetten besorgt, damit die Geflüchteten „Video-Botschaften“ in Kassettenform per Post nach Hause schicken konnten. Aus diesem Erinnerungs-Footage hat Tomic seinen Film geschnitten. Ähnlich instabile Erinnerungsbilder finden sich auch in dem vom WDR produzierten Dokumentarfilm „Meine Flucht“ (Deutschland, 2016) der aus Handy- Videos von Geflüchteten besteht und damit in gewisser Weise die mediale Dynamik der Revolutionen des Arabischen Frühlings fortschreibt, die ebenfalls durch Handybilder geprägt wurde.

Hito Steyerl „The Wretched of the Screen“, e-flux journal, New York, 2012.

Flotel Europa (trailer):
https://www.youtube.com/watch?v=OoA0t0SismE

Meine Flucht (trailer):
http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/wdr-dok/video-my-escape--meine-flucht-100.html


Nicolas Oxen Nicolas Oxen ist seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Philosophie audiovisueller Medien (Prof. Dr. Christiane Voss) an der Bauhaus-Universität Weimar. Von 2007 bis 2010 dt.-frz. Bachelor-Studium „Europäischen Medienkultur“ an der Bauhaus-Universität Weimar und der Université Lyon Lumière 2 in Lyon. Von 2010-2013 Master-Studium „Kulturwissenschaftliche Medienforschung“ an der Bauhaus-Universität Weimar. Seit 2014 Promotionsprojekt mit dem Arbeitstitel: „Blurring – Technik und Ästhetik des instabilen Bildes“. Forschungsschwerpunkte: Prozessphilosophie und Pragmatismus, Zeit- und Affekttheorie, Medientheorie und Medienästhetik, Filmtheorie, Digitale Kultur. Website des Lehrstuhls: http://www.uni-weimar.de/de/medien/professuren/philosophieavmedien/

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