FLÜCHTIGE BILDER:
AFFEKT // REPRÄSENTATION

Eine trans- und interdisziplinäre Veranstaltung an der Universität Hamburg

Bilder der Flucht. Zur Bedeutung des Visuellen in der gegenwärtigen ‚Flüchtlingskrise‘


Bilder sind nicht lediglich Abbilder der sozialen Wirklichkeit, vielmehr wird diese zu einem erheblichen Ausmaß visuell erzeugt. Anhand des gegenwärtig medial geführten Diskurses über die „Europäische Flüchtlingskrise“ wird gezeigt wie Bilder Massen bewegen, politische Entscheidungsprozesse beeinflussen und sich auf die Lebenswelt der Geflüchteten auswirken. Bilder wie etwa jenes des toten Flüchtlingsjungen an der türkischen Küste oder jene über die Silvesternacht in Köln markieren signifikante Brüche in der Debatte. Sie bewirken Solidarität und schaffen Feindbilder, die gesellschaftlich folgenreich sind.

Der Vortrag stützt sich auf eine Analyse von Titelseiten verschiedener europäischer Tageszeitungen im Verlauf eines Jahres. Auf den Titelseiten wird ein Wir und/vs die Anderen konstruiert und eine Bewertung der „Krise“ vorgenommen. Auf welche Symbole und Narrative dabei zurückgegriffen wird, in welche Art szenische Arrangements diese verpackt werden und wie Schlagworte die Bildbedeutung begrenzen, wird anhand des Bildvergleichs nachgezeichnet. Als Kontrastbilder dienen vielfältige weitere Fotografien und Gemälde von Flucht und Vertreibung.

Methodisch orientiert sich die Analyse an der soziologischen Segmentanalyse (Breckner 2010, Marent 2016a,b) sowie an der figurativen Hermeneutik (Müller 2012). Dabei wird der Präsenz der Bilder Rechnung getragen und ihre affektive Wirkung beschrieben. Außerdem werden die Bilder als Teil einer visuellen Kultur betrachtet, deren Bedeutung am besten im Vergleich mit anderen Bildern zu erfassen ist.

Literatur:

Breckner, Roswitha (2010): Sozialtheorie des Bildes: Zur interpretativen Analyse von Bildern und Fotografien, Bielefeld: Transcript.

Marent, Johannes (2016a): „Die Rückeroberung der Vergangenheit: Die Inszenierung Istanbuls als Europäische Kulturhauptstadt 2010“. Schwerpunktheft „Bildhandeln und Visuelle Politik“ der Österreichischen Zeitschrift für Soziologie (ÖZS) 2016/41: 165–185.

Marent, Johannes (2016b): Istanbul als Bild. Eine Analyse urbaner Vorstellungswelten, Bielefeld: Transcript.

Müller, Michael R. (2012): Figurative Hermeneutik. Zur methodologischen Konzeption einer Wissenssoziologie des Bildes. In: sozialersinn 13(1), S. 129-161.


Johannes Marent: (Dr. phil.), ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Trier. Er forscht in den Bereichen Kultursoziologie, Visuelle Soziologie und Stadtforschung. Gegenwärtig beschäftig er sich mit Fragen der sozialen Wirkung von Bildern, der Darstellung von Migration und Flucht sowie der Mediatisierung. Johannes Marent promovierte im Fach Soziologie an der Universität Wien. Seine Arbeit „Istanbul als Bild. Eine Analyse urbaner Vorstellungswelten“ erschien 2016 im Transcript Verlag. Von 2011-2014 forschte er im Rahmen des Stadtforschungsschwerpunkts „Eigenlogik der Städte“ an der Technischen Universität Darmstadt. 2015 arbeitete er an einem Projektantrag zu Vergemeinschaftungsformen und Stilpraktiken im Web 2.0 am Institut für Medienforschung der Technischen Universität Chemnitz. Er ist Mitglied im Forschungsverbund „Visual Studies in den Sozialwissenschaften“ und Dozent an der Universität Wien.

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