FLÜCHTIGE BILDER:
AFFEKT // REPRÄSENTATION

Eine trans- und interdisziplinäre Veranstaltung an der Universität Hamburg

Erinnertes Exil. Frank Zwillingers Flucht und Abenteuer um die Welt


In meinem Vortrag möchte ich ein zweibändiges Postkarten- und Foto-Album untersuchen, das der österreichische Schriftsteller Frank Gerhard Zwillinger (geb. 1909 in Wien, gest. 1989 in Garches, Frankreich) im Exil zusammenstellte. Zwillinger emigrierte 1938 über Rom nach Ostasien (Französisch-Indochina), trat der Französischen Fremdenlegion bei, wurde 1945 schwer verwundet und übersiedelte 1946 nach Frankreich.

In seinem „Scrapbook“ versammelte Zwillinger zunächst Postkarten, die Ansichten der Stationen seiner Reiseroute zeigen, später schließlich eigene Fotografien. Diese, mit schriftlichen Anmerkungen – Ortsnamen oder Beschreibungen Fotografierter beispielsweise – versehenen Bilder scheinen einerseits einen Fluchtweg zu dokumentieren, Gedächtniswegmarken einer Route bereitzustellen, ermöglichen sie doch „mit allen Orten, durch die man gegangen ist, zurück[zu]kehren“, um mit Bruno Latour zu sprechen. Gleichzeitig dienen sie der Konstruktion eines Narrativs von „Flucht und Abenteuer“, das ich vor dem Hintergrund heutiger Rezeptionsmöglichkeiten, insbesondere hinsichtlich der Zugänglich- und Nutzbarmachung der Fotografien in musealen und museumspädagogischen Ausstellungskontexten, analysieren möchte.

Aus verschiedenen Gründen können die hier vorgestellten Alben von Interesse für eine Diskussion und Vergleiche mit zeitgenössischen Bildern von Flucht und Migration sein: Die von einem Exilierten selbst gesammelten bzw. angefertigten Fotografien werfen etwa die Frage auf, welche Bilder für heute Flüchtende eine Erinnerungsfunktion besitzen und der Identitätsbildung dienen können, beispielsweise in der Kommunikation mit (zurückgebliebenen) Familienmitgliedern. Zwillingers Bildauswahl verweist zudem auf Repräsentationsweisen des kulturell Anderen. Diesbezüglich sind sowohl der Einsatz von Postkarten, die ein verbrämtes Bild des Aufenthaltsortes transportieren sollen, von besonderem Interesse, als auch die spezifische Anordnung der Bilder in Alben, Objekten, die selbst wandern.


Katharina Manojlovic: derzeit Mitarbeiterin am Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek, Assistenzkuratorin der Sonderausstellung 2017 des Literaturmuseums. Studierte Germanistik und Anglistik an der Univ. Wien und am Univ. College London; Bildwissenschaft (M.A.) an der Donau-Univ. Krems mit den Schwerpunkten Fotografie und Digitales Sammlungsmanagement (2012–2015); Absolventin der Schule Friedl Kubelka Wien (Foto-Klasse); 2014/15 Studienassistenz ebenda; von 2008 – 2012 Gastlektorin am Institut für Germanistik der Univ. Zadar, Kroatien.

Uni HH Logo Logo Zeit-Stiftung DGVN Logo