FLÜCHTIGE BILDER:
AFFEKT // REPRÄSENTATION

Eine trans- und interdisziplinäre Veranstaltung an der Universität Hamburg

Hitlergruß vorm Sonnenblumenhaus. Bilder der Asyldebatten


Asyldebatten sind in Deutschland kein neues Phänomen. Beständig wurde seit Verabschiedung des westdeutschen Grundgesetzes über das darin enthaltene Asylrecht gestritten. Phasen des Konsens gab es nicht. Bilder und Bildpraktiken spielten in diesen Debatten – und deren Repräsentationen – eine große Rolle. Vorstellungsbilder, Sprachbilder, Fotografien und Filmaufnahmen, Karrikaturen. Deren Affekt- und Affizierungspotentiale wurden mal bewusst meinungsbildend eingesetzt, mal naiv unterschätzt. In meinem Dissertationsprojekt beleuchte ich die Geschichte der Asyldebatten in Deutschland. Ich gehe der Frage nach, wie das Recht auf Asyl in den ersten fünf Jahrzehnten nach Kriegsende diskursiv verhandelt wurde. Wann, von wem und mit welchen Intentionen wurde es unterstützt – oder angegriffen? Häufig wird bei solchen Fragen die bildliche Dimension vernachlässigt. Dabei ist deren Bedeutung – gerade bei einem derart unabgeschlossenen, in konkurrierende Narrative und Weltbilder eingebundenen Themenkomplex – offenkundig.

Ich will versuchen, am Beispiel der Asyldebatten der achtziger/neunziger Jahre zu skizzieren, wie eine für die Bedeutung von Bildern sensible und bildtheoretisch informierte Geschichtsschreibung zu diesem Thema aussehen könnte. Im Fokus stehen dabei die rassistischen Anti-Asyl-Aktivitäten der frühen neunziger Jahre, insbesondere das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen. Dieses symbolisch aufgeladene Ereignis verdichtet ein komplexes Geschehen mitsamt seinen Vor- und Nachgeschichten. Hier wurden bereits etablierte Sprachbilder – wie "volle Boote", "Flüchtlingswellen", "-fluten" und "-anstürme" – auf spezifische Weise wirksam und trafen u.a. auf eine fotografische Inszenierung von "Überlastung", die sich zahlreicher rassistischer/romafeindlicher Bildklischees bediente. Das Wandmosaik des Sonnenblumenhauses wurde als kontrastierende Kulisse im Nachhinein ebenso mit den Ausschreitungen verbunden wie die Aufnahme des Hitlergruß zeigenden Anwohners im DFB-Trikot. Erst die ikonische Dimension machte – bei einer Vielzahl von vergleichbaren, flüchtigeren Geschehnissen – Rostock-Lichtenhagen zu einem historischen Ereignis.

Neben neuen Perspektiven auf die Geschichte der Asyldebatten kann eine solche Betrachtung sowohl geschichts- als auch bildtheoretische Aufschlüsse liefern. Denn: "Bild" und "Ereignis" sind nicht voneinander zu trennen, verbinden jeweils performative, demonstrative und repräsentierende Dimensionen. Beide sind in Bewegung und nicht sinnvoll von ihren jeweiligen Verwendungszusammenhängen, Diskursen und Nachgeschichten zu trennen. Letztlich steht auch die Frage im Raum, wie ein selbstkritischer und -reflexiver Umgang mit dieser Geschichte aussehen könnte. Rassismus produziert Bilder und Geschichte(n); ihn in kritischer Absicht zu bebildern und zu dekonstruieren, ist hingegen herausfordernd.


Volker Land: 2007-2008 Friedensdienst mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in der Gedenkstätte Maison d'Izieu, Frankreich; 2008-2013 Studium der Geschichte, Wirtschaftswissenschaften und Kunstgeschichte/Bildwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena; 2009-2013 Mitgliedschaft im Fachschaftsrat Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena; 2010-2013 Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena; 2013 Bachelor of Arts mit einer Arbeit zum Thema "Aufbau und Abriss. Die Hochbunker des Zweiten Weltkriegs in Jena"; Seit 2014 Promotionsstudent am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Friedrich- Schiller-Universität Jena.

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